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Der Sasch bloggt #2: 82 Fellnasen, „Raubtierfütterung“ und ein kleines Hängematten-Wunder auf Korfu

Der Sasch bloggt #2: 82 Fellnasen, „Raubtierfütterung“ und ein kleines Hängematten-Wunder auf Korfu


Erinnert ihr euch noch an den Lukmanierpass? Nach dem harten inneren Kampf, bei dem das eigene Ego ihn trotz aller Zweifel den Berg hinaufgepeitscht hat, hat unser langjähriger Ticket To The Moon Wegbegleiter Sasch sein großes Etappenziel erreicht: Er ist auf Korfu angekommen! Die kommenden Wochen verbringt er als Volontär in einem Tierheim vor Ort.

Hier ist sein ungeschönter, emotionaler Bericht nach der ersten Woche zwischen Tierschutz-Alltag, vollen Backwaren-Regalen und unerwarteter Gastfreundschaft:

 

„ALLTAG“ nach einer Woche Shelter?!… NEIN! Dafür ist es NOCH alles zu neu, zu unbekannt, zu aufregend, zu interessant. Interessant im Übrigen auch die Frage, ob meine Idee, dass MICH ein Hund aussucht, tatsächlich realistisch ist?! Ungeduld!? JAAA, die macht sich breit und JAAAA… Geduld ist nicht meine größte Stärke.

Eventuell treffe ich meinen neuen Reisebuddy ja nicht im Shelter, sondern auf der Straße??

ANYWAY.

Zurück zum Shelter. Zurück zu zahlreichen Seelen, die hier mal kurz, mal länger oder gar bis an ihr Lebensende verweilen. Große, kleine, dicke, dünne, zahme, aggressive. Jeder hier hat seine eigene Story. Der eine an einen Baum gefesselt, die andere über den Zaun geworfen.

Vertrauensarbeit im Shelter – Zeit schenken für die ängstlichen Seelen.

Und doch – so zumindest in meiner Wahrnehmung – freuen sie sich tagtäglich auf uns. Auf die Zuwendung, die Streicheleinheiten, das Futter, klares Wasser und die tägliche Chance, eventuell zeitnah ein neues Zuhause zu finden.

Was die Zweibeiner angeht, welche hier in Wechselschichten arbeiten…

Um 08:00 Uhr beginnt die “Raubtierfütterung“. Derzeit wollen 82 Hunde versorgt werden. Ein Teil der Zweibeiner kümmert sich anschließend um das tägliche Reinigen der Quarantäne-Station, während die anderen Medikamente, gepaart mit leckerer Fleischwurst, an die Bedürftigen verteilen.

Ruhe kehrt ein, alle besänftigt, die Zweibeiner machen eine kurze Pause. Frühstück, Kaffee, bla, bla…

Es folgt der beste Part des Tages…

“Keep the poop away, keep the shelter clean all day“ ;-)

Für den Kopf ist es anfangs doch schräg – und ich bin sicher NICHT der Hundeexperte –, in ein Gehege zu gehen, wo am Zaun ein 30–40 kg schwerer Hund knurrt und bellt. Doch kaum bist du mit gestärkter Überzeugung drin, kehrt Stille ein. Und dennoch… Augen auf! Den Blickkontakt zu den Hunden niemals verlieren.

Zu guter Letzt werden anschließend die Wassereimer bei Bedarf mit frischem Wasser gefüllt. Jener Prozess wiederholt sich 365 Tage jeden Morgen mit derzeit 82 Fellnasen. Zu Corona-Zeiten waren es mal über 150.

Tierarztbesuche, Kastrationen, Instandhaltungsarbeiten, Futter und Medikamente einkaufen wie auch die Entsorgung von Abfall runden den Tagesablauf ab.

Neuankömmling Beauty

Abschließend kommt eine der wohl wunderbarsten Aufgaben: vermittelte Hunde auf den Transport in ihr neues Zuhause vorzubereiten… Chippen, impfen, kämmen und ihnen eine gute Reise wünschen.

Die Freude daran, einen Beitrag leisten zu dürfen, dass dieses Shelter mit seinen Vierbeinern noch lange Zeit erhalten bleibt, war schon jeden pedalierten Kilometer wert.

Was die Freude an erLEBTEM außerhalb des Shelters anbelangt, dazu gehören folgende Worte…

Es vergingen kaum zwei Tage. Ich hatte mich in einem der Gehege mit meiner Hängematte inklusive Underquilt „eingerichtet“,...

...als mich eine jahrelange Mitarbeiterin des Shelters fragte, ob ich nicht in einem Apartment ganz in der Nähe die anstehende Zeit KOSTENLOS verbringen möchte?

Tatsächlich hatte ich mich auf die Nächte in der Hängematte gefreut, da ich darin extrem gut schlafe. Doch einen Herd, eine Dusche und einen Ort fernab von Gebell nahm ich durch dieses unfassbare Angebot gerne an. Wildfremde Menschen, die sich um dich sorgen… Ich konnte es kaum fassen!!

Vom Hängemattenplatz im Shelter-Gehege in mein eigenes Apartment

Umzug erledigt, eingekauft für die kommenden Tage – und so erkundete ich pedalierenderweise die nähere Umgebung. Ach, was bin ich froh, mit dem Rad unterwegs zu sein! Bei all diesen unfassbar leckeren Backwaren, denen ich hier fast täglich zum OPFER falle, möchte ich behaupten, dass die bald anstehenden Kilometer in die Toskana sonst keine Freude bereiten könnten. Doch dank der Aktivität purzeln die Kilos und die Kondition steigt! ;-)

Um 06:50 Uhr kommen die ersten Sonnenstrahlen über den Berg und ich sitze bereits im Sattel, um in Lefkimmi – einem von meinem Apartment nicht weit entfernten Ort – mit einem Cappuccino in der Hand den Tag zu begrüßen. Ich liebe es, mitansehen zu dürfen, wie an einem fremden Ort das LEBEN erwacht.

Rückblickend auf die ersten Tage dieses Abenteuers und alledem, was bis dato passiert ist, steigt in mir die Vorfreude auf die kommenden Tage.


Und wer weiß – vielleicht wartet Saschas neuer Reisebuddy ja schon hinter der nächsten Straßenecke? Wir sind gespannt, was er uns nächste Woche berichtet!

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