
Vom Rest zum Produkt: Wie aus Hängematten-Stoffresten Neues entsteht
Teil 1 unserer Serie über Nachhaltigkeit bei Ticket to the Moon
Zwei Container. So viel Stoffrest ist in den letzten zwei Jahren bei der Produktion unserer Hängematten zusammengekommen. Statt diesen Rest zu entsorgen oder ihn dem Recycling zu übergeben, haben wir uns entschieden, ihn direkt weiterzuverwenden – und daraus ist ein ganzer Teil unseres Produktportfolios entstanden.
Vom Reststoff zum eigenständigen Produkt
Alles begann mit der Frage: Was passiert eigentlich mit dem Stoff, der beim Zuschneiden unserer Hängematten übrig bleibt?
Die Antwort war für uns nicht "wegwerfen" oder "Deko basteln", sondern: neue, funktionale Produkte entwickeln. Uns war dabei wichtig, dass die daraus entstehenden Produkte nicht nur hübsch aussehen, sondern einen echten Zweck erfüllen – Funktionalität steht für uns auch beim Upcycling an erster Stelle.
Drei Beispiele zeigen, wie das konkret aussieht:
Die Moonstrap Pouch kommt bewusst in Unique-Farben, also in zufälligen Farbkombinationen. Das ist kein Kompromiss, sondern eine bewusste Entscheidung: So kann praktisch jeder Stoffrest verwendet werden, ohne dass wir vorher aufwendig nach Farben sortieren müssen. Generell machen Unique-Produkte für uns beim Upcycling sehr viel Sinn – sie erlauben es, Reste schnell und unkompliziert zu verwerten.
Mehr Infos zu unseren Unique-Produkten findest du hier.

Unsere Moonstrap Pouches
Unsere Bag Collection wird gezielt an den jeweils vorhandenen Reststoff-Bestand angepasst. Statt zuerst zu planen und dann Material zu bestellen, schauen wir, was an Reststoff da ist, und entwickeln die Taschen passend dazu.

Die Moon Disk, unser Frisbee, geht noch einen Schritt weiter: Selbst die feinsten Stoffabschnitte, die für größere Produkte längst zu klein sind, verarbeiten wir in den Rand der Disk. So wird auch der letzte, kleinste Rest noch sinnvoll genutzt.

Wie groß ist das Problem in der Textilbranche wirklich?
Um einordnen zu können, warum uns das wichtig ist, lohnt sich ein Blick auf die Größenordnung des Themas. Weltweit fallen jährlich rund 92 Millionen Tonnen Textilabfall an – ein Großteil davon landet auf Deponien oder wird verbrannt.¹ Ein bedeutender Teil davon entsteht bereits in der Produktion selbst – etwa als Verschnitt oder unverkaufte Ware.²
Gleichzeitig wächst die globale Textilproduktion weiter: Die weltweite Faserproduktion hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt, während weniger als ein Prozent des weltweiten Faser-Marktes tatsächlich aus Textil-zu-Textil-Recycling stammt.³
Genau an diesem Punkt setzen wir an. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum selbst die vergleichsweise kleine Menge von zwei Containern für einen Betrieb unserer Größe zählt – und warum wir überzeugt sind, dass jeder Ansatz, Produktionsreste sinnvoll weiterzuverwenden, etwas bewirkt.
Warum Upcycling anders ist als Recycling
Die Begriffe Upcycling und Recycling werden oft synonym verwendet, meinen aber sehr unterschiedliche Prozesse. Beim klassischen Recycling wird Material in seine Bestandteile zerlegt und industriell wieder aufbereitet – dabei geht häufig Qualität verloren, man spricht dann von Downcycling.⁴ Beim Upcycling hingegen bleibt die ursprüngliche Form des Materials weitgehend erhalten; es wird kreativ aufgewertet, statt zerlegt zu werden.
Das ist auch der Grund, warum Upcycling als besonders ressourcenschonend gilt: Der aufwendige, energieintensive Prozess der Zerlegung und Neuverarbeitung entfällt komplett.⁵ Genau das ist unsere Erfahrung – je mehr Stoff tatsächlich als Stoff weiterverwendet wird, anstatt ihn zu zerlegen oder zu verbrennen, desto besser ist die Bilanz. In der Industrie werden Stoffreste häufig lediglich als Füllmaterial eingesetzt, was im Grunde bereits eine Form von Downcycling ist.⁵ Wir gehen bewusst einen Schritt weiter und verarbeiten unsere Reste als vollwertiges Flächenmaterial zu eigenständigen Produkten.
Der ehrliche Teil: Aufwand statt Effizienz
Was bei alldem oft zu kurz kommt: Dieser Prozess ist aufwendig. Unser hoher Upcycling-Anteil ist nur möglich, weil wir sehr viel manuell zuschneiden – jedes Stück Reststoff ist anders, es gibt keine standardisierten Zuschnittmuster wie bei Neumaterial. Das kostet Zeit, und es lässt sich nur schwer exakt kalkulieren, wie viel Material und Ressourcen wir dadurch tatsächlich einsparen, weil wir nicht jedes Teil abwiegen und gegenrechnen. Der Deckungsbeitrag bei diesen Produkten ist entsprechend nicht so gut wie bei Produkten aus Neumaterial.
Trotzdem ziehen wir das durch. Denn unsere Überzeugung ist einfach: Es ist immer besser, Stoff als Stoff weiterzuverwenden, als ihn dem Recycling zu übergeben oder gar zu entsorgen – auch wenn es mehr Arbeit macht und sich schlechter rechnet.

Was noch kommt
Das ist erst der Anfang. In den nächsten Beiträgen dieser Serie zeigen wir, was wir sonst noch für Nachhaltigkeit bei Ticket to the Moon tun – von unserer Verpackung ganz ohne Plastik bis zur Isolation unserer Underquilts aus recyceltem PET.
Quellen
- UN-Umweltprogramm (UNEP) – Sustainable fashion to take centre stage on Zero Waste Day ↩, abgerufen am 10.07.2026
- Europäische Umweltagentur (EEA) – Management of used and waste textiles in Europe's circular economy ↩, abgerufen am 10.07.2026
- Textile Exchange – Materials Market Report 2025 ↩, abgerufen am 10.07.2026
- Verbraucherzentrale.de – Was ist Upcycling? Und wann ist es sinnvoll? ↩, abgerufen am 10.07.2026
- MOOT – Upcycling: Re-Design statt Wegwerfen ↩, abgerufen am 10.07.2026



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